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Béatrice Jacques

Jacques.png ist Dozentin für Soziologie an der Universität Bordeaux. Ihre Doktorarbeit hat sie über die Schwangerschaft und Geburt geschrieben (B. Jacques, Sociologie de l’accouchement (Soziologie der Geburt), Paris, PUF-Le Monde 2007). In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Zugang zur Gesundheitsversorgung im Hinblick auf Zeugung und reproduktive Gesundheit.

Die Gesundheitsversorgung wird von neuen Familienstruk-
turen auf die Probe gestellt

Abstract

In den vergangenen dreissig Jahren hat die Institution Familie tiefgreifende Änderungen erfahren (Niedergang der Ehe, Zunahme von ausserehelichen Geburten, Scheidungen und Partnerschaften ohne Trauschein, Rückgang des Heiratsalters). Erleben wir eine Krise der Familie, das Phänomen der Desinstitutionalisierung, oder ganz einfach eine Veränderung bei den Familienformen (Einelternfamilien, homosexuelle Eltern, Patchwork-Familien?) Die demographische Dynamik gewisser europäischer Länder (Frankreich) bringt zum Ausdruck, dass der Kinderwunsch und die Bereitschaft zur Gründung einer Familie fortbestehen. Gleichzeitig hat die Paarbeziehung, das heisst der Wunsch, eine Familie zu gründen, aufgrund des wachsenden Individualismus und Rückzugs ins „Private“ eine starke Erschütterung erlebt. Den familiären Bindungen liegen nicht mehr Beziehungen der Abhängigkeit zugrunde (zwischen den Generationen und den Geschlechtern), sondern eine Personalisierung der Beziehungen. Die Familienzugehörigkeit scheint weniger stabil und unbestimmter zu sein. Die Hebammen, die direkt mit den Familien arbeiten, müssen mit diesen neuen Familienstrukturen, neuen Paaren, neuen Eltern, Schwiegereltern, Halbbrüdern und Halbschwestern umgehen, und sie müssen mit ihnen über die Ankunft eines Kindes sprechen.

Biographie